Stand: 30.09.2026, 13:21 Uhr
Die Devisenmärkte zeigten am Mittwoch eine deutliche Divergenz: Der US-Dollar gab nach, das Britische Pfund legte zu, und der Australische Dollar verzeichnete die stärksten Verluste unter den wichtigsten Währungen. Auslöser waren unterschiedliche geldpolitische Signale der jeweiligen Zentralbanken, die durch neue Konjunkturdaten untermauert wurden.
US-Dollar: Schwächere Inflationsdaten mindern Erwartungen an weitere Zinserhöhung
Die Veröffentlichung der persönlichen Konsumausgaben (PCE) in den USA fiel schwächer aus als erwartet. Der PCE-Gesamtindex stieg im Monatsvergleich um 0,3 Prozent (Prognose: 0,4 Prozent), die Kernrate um 0,2 Prozent (Prognose: 0,3 Prozent). Auf Jahressicht ergab sich ein Anstieg von 3,4 Prozent (Prognose: 3,7 Prozent) beziehungsweise 3,0 Prozent (Prognose: 3,4 Prozent). Die Marktreaktion war deutlich: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Federal Reserve im Oktober fiel von rund 51 Prozent vor der Veröffentlichung auf 37,1 Prozent. Eine Zinspause wird nun mit 62,9 Prozent als wahrscheinlicher angesehen. Diese Entwicklung stützt die Aussage von John Williams, Präsident der New Yorker Fed, der am Dienstag betont hatte, es bestehe „keine Dringlichkeit“ für eine weitere Zinserhöhung. Allerdings bleibt das Bild gemischt: Die Konsumausgaben stiegen im August um 0,9 Prozent (Prognose: 0,8 Prozent), während die persönlichen Einkommen nur um 0,2 Prozent zulegten. Die Verbraucher gaben also weiterhin deutlich mehr aus, als sie einnahmen. Energiepreise, insbesondere für Benzin, blieben ein Preistreiber, konnten aber den Gesamteindruck einer nachlassenden Inflation nicht umkehren.
Australischer Dollar: Schwäche trotz hoher Gesamtinflation
Der Australische Dollar gab trotz eines Anstiegs der Gesamtinflation auf 4,0 Prozent im Jahresvergleich (Vormonat: 3,5 Prozent) nach. Entscheidend war die zugrunde liegende Teuerung: Der von der Reserve Bank of Australia (RBA) bevorzugte „Trimmed Mean“-Index stieg im Monatsvergleich nur um 0,2 Prozent (Prognose: 0,3 Prozent) und verharrte im Jahresvergleich bei 3,6 Prozent. Die hohe Gesamtinflation wurde maßgeblich durch Energiepreise getrieben: Kraftstoffpreise stiegen im August um 14,8 Prozent zum Vormonat, auch Strom trug zum Anstieg bei. Beide Posten fließen jedoch nicht in den „Trimmed Mean“ ein. Die Marktteilnehmer werteten die Daten als Bestätigung der vorsichtigen Aussagen von RBA-Gouverneurin Michele Bullock nach der Zinserhöhung in dieser Woche. Sie hatte angedeutet, dass der jüngste Schritt ausreichen könnte. Der Australische Dollar war die schwächste der großen Währungen, auch gegenüber dem schwächeren US-Dollar, was zeigt, dass die Neubewertung der RBA-Politik den externen Gegenwind durch den schwächeren Dollar überwog.
Britisches Pfund: Aufwertung gestützt durch robuste BIP-Daten und hawkishe BoE-Signale
Das Britische Pfund weitete seine Gewinne aus, nachdem die revidierten BIP-Daten für das zweite Quartal eine robuste Wirtschaftsentwicklung bestätigten. Das Bruttoinlandsprodukt wurde von 0,4 Prozent auf 0,5 Prozent im Quartalsvergleich nach oben korrigiert, die Jahresrate von 1,2 Prozent auf 1,4 Prozent. Die Aufwertung des Pfunds begann jedoch nicht erst mit diesen Daten, sondern bereits zu Wochenbeginn, nachdem BoE-Gouverneur Andrew Bailey und Vizegouverneur Dave Ramsden die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen ins Spiel gebracht hatten. Die BIP-Daten lieferten nun die Bestätigung für diese Haltung. Die Märkte preisen nun eine Wahrscheinlichkeit von rund 89 Prozent für eine Zinserhöhung im November ein. Die Zusammensetzung des BIP-Wachstums gibt jedoch Anlass zur Vorsicht: Der Anstieg wurde maßgeblich vom Außenhandel getragen (Exportvolumen +2,8 Prozent), während die privaten Konsumausgaben nur um 0,3 Prozent zulegten. Die Staatsausgaben sanken um 0,5 Prozent, was teilweise auf Hitzewellen-Effekte im Juni zurückgeführt wird. Die Staatsverschuldung stieg von 4,2 Prozent auf 5,2 Prozent des BIP, was die Aufmerksamkeit auf den Haushalt am 28. Oktober lenkt.
Fazit: Gleicher Energieschock, unterschiedliche Währungsreaktionen
Die gleiche Entwicklung der Energiepreise führte in den drei Währungsräumen zu gegensätzlichen Reaktionen, weil die Ausgangspositionen der Zentralbanken unterschiedlich waren. In den USA senkten die schwächeren Inflationsdaten die Dringlichkeit für weitere Zinserhöhungen. In Australien konnte die hohe Gesamtinflation die Skepsis der Märkte gegenüber weiteren RBA-Schritten nicht zerstreuen. In Großbritannien hingegen bestärkten die robusten BIP-Daten die bereits bestehenden Erwartungen an eine straffere Geldpolitik.
Für wen ist diese Nachricht interessant?
- Für Anleger mit Positionen in US-Dollar, Britischem Pfund oder Australischem Dollar: Die beschriebenen Divergenzen zwischen den Währungen könnten sich fortsetzen, falls die jeweiligen geldpolitischen Erwartungen durch weitere Daten bestätigt werden.
- Für Marktteilnehmer, die sich mit Zinserwartungen der Federal Reserve, der Bank of England oder der Reserve Bank of Australia befassen: Die Wahrscheinlichkeiten für weitere Zinsschritte haben sich laut Quelle deutlich verschoben, was die Attraktivität von Anlagen in diesen Währungen beeinflussen könnte.
- Für Investoren, die auf Energiepreise achten: Die Quelle zeigt, dass derselbe Energieschock in den USA, Australien und Großbritannien zu unterschiedlichen Inflations- und Zinsauswirkungen führte. Dies könnte für Anlagestrategien relevant sein, die auf Rohstoffmärkten oder energieabhängigen Sektoren basieren.