Stand: 01.10.2026, 12:52 Uhr
Der Beginn des vierten Quartals brachte keine Trendwende an den Finanzmärkten. Die dominierenden Themen des dritten Quartals setzten sich nahtlos fort: Globale Staatsanleihen verzeichneten weitere Kursverluste, der US-Dollar legte zu, und das Währungspaar EUR/USD fiel unter die Marke von 1,13. Gleichzeitig sorgten erneute Spannungen bei der Energieversorgung für anhaltenden Inflationsdruck.
Anleihenmarkt bleibt zentraler Treiber
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg zu Beginn des Quartals auf rund 5,34 Prozent – der höchste Stand seit 2002. Im dritten Quartal verzeichnete sie den größten quartalsweisen Anstieg seit 1994. Die Verkaufswelle erfasste nicht nur die USA, sondern auch andere große Volkswirtschaften: Die 30-jährige britische Rendite erreichte zeitweise sechs Prozent, die französischen Kreditkosten stiegen auf Mehrjahreshochs, und die japanischen Renditen bewegten sich nahe Mehrjahrzehntshochs.
Hinter der globalen Anleiheschwäche stehen laut Marktbeobachtern mehrere Faktoren: anhaltende Inflationsrisiken, hohe Staatsverschuldung, fiskalische Belastungen, großer Kapitalbedarf für Investitionen in Künstliche Intelligenz und Verteidigung sowie eine nachlassende Bereitschaft, langlaufende Anleihen zu niedrigeren Renditen zu halten.
Fed-Signale und Dollar-Stärke
Bemerkenswert ist die Reaktion des Anleihemarktes auf die jüngsten Inflationsdaten. Die im August veröffentlichten PCE-Inflationszahlen fielen schwächer aus als erwartet, was die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung durch die US-Notenbank im Oktober verringerte. Dennoch erholten sich die langlaufenden Anleihen nicht; die zehnjährige Rendite stieg stattdessen weiter über 5,3 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass der Markt die Geldpolitik der Fed weniger aggressiv einschätzt, die langfristigen finanziellen Bedingungen sich jedoch nicht lockern.
Diese Entwicklung stützt den US-Dollar. Der Dollar-Index verzeichnete im dritten Quartal den sechsten Quartalsgewinn in Folge und notierte nahe seinem stärksten Stand seit Mitte Mai. Die steigenden langfristigen US-Renditen wiegen dabei schwerer als die reduzierten Erwartungen an eine baldige Fed-Zinserhöhung. Die zehnjährige Rendite gilt daher als verlässlicherer Indikator für die Dollar-Entwicklung als die genaue Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober.
Euro unter Druck
Der Euro geriet ebenfalls unter Druck. Das Währungspaar EUR/USD fiel erstmals seit Mai 2025 unter die Marke von 1,13. Im September verlor der Euro knapp 2,5 Prozent an Wert – der stärkste monatliche Rückgang seit Juli des Vorjahres. Als Hauptbelastungsfaktoren gelten höhere Energiekosten, steigende europäische Anleiherenditen und politische Unsicherheit. Europa als Nettoimporteur von Energie leidet unter den gestiegenen Rohöl- und Raffinerieproduktpreisen, während die Inflation erneut anzieht. Gleichzeitig haben fiskalische Sorgen die französischen Renditen stark ansteigen lassen, und auch deutsche Bundesanleihen blieben von der globalen Verkaufswelle nicht verschont.
Die Schwäche des Euro ist jedoch nicht einheitlich gegenüber allen wichtigen Währungen; die Entwicklung von EUR/USD selbst und der breitere Abwärtstrend im September gelten als die aussagekräftigeren Signale.
Ölpreise verstärken Inflations- und Renditedruck
Die Rohölpreise tragen zur anhaltenden Inflation bei. Die Sorte Brent notierte wieder über 100 US-Dollar pro Barrel, da sich die Sorgen um die globale Treibstoffversorgung verschärften. Chinesische Raffinerien stellten ab Oktober den Export von Mineralölprodukten außerhalb von Hongkong und Macau ein. Zudem forderte die US-Regierung die EU auf, 120 Millionen Barrel Diesel aus strategischen Reserven freizugeben; Deutschland und Frankreich halten mehr als ein Drittel der strategischen Dieselreserven der EU.
Diese Entwicklungen sind nicht isoliert zu betrachten, sondern verstärken den Kreislauf aus Inflation, Anleiherenditen und Dollar-Stärke: Eingeschränkte Treibstoffversorgung hält das Inflationsrisiko aufrecht, was den Druck auf langlaufende Anleihen erhöht, höhere Renditen wiederum stützen den Dollar und belasten energieimportierende Volkswirtschaften.
Ausblick: US-Daten als Test für den Trend
Der am Dienstag veröffentlichte US-ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe gilt als erster Test, ob sich das Muster des dritten Quartals durchbrechen lässt. Ein fester Wert würde die bestehende Konfiguration aus robuster US-Wirtschaft, anhaltenden Energie- und Inflationsrisiken sowie weiterem Druck auf langlaufende Anleihen und den Dollar verstärken. Ein schwacher Wert wäre nur dann von Bedeutung, wenn der Anleihemarkt darauf reagiert und die langfristigen Renditen sinken. Nachdem die schwächeren PCE-Daten die zehnjährige Rendite nicht nachhaltig gesenkt hatten, reicht ein einfaches Verfehlen der Konjunkturprognosen möglicherweise nicht mehr aus.
Der größere Test folgt am Freitag mit dem US-Arbeitsmarktbericht (Non-Farm Payrolls). Solange sich die Übertragung von Konjunkturdaten auf die langfristigen Renditen nicht ändert, deutet der Start des vierten Quartals auf eine Fortsetzung des bisherigen Marktregimes hin.
Risiken und Einschränkungen
Die dargestellten Entwicklungen basieren auf Marktbeobachtungen und Prognosen, die mit Unsicherheiten behaftet sind. Die tatsächliche Entwicklung kann von den beschriebenen Szenarien abweichen. Die Analyse enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen für Wertpapiere oder Devisen. Die genannten Zahlen und Zeitpunkte beziehen sich auf den Berichtszeitraum um den 1. Oktober 2025 und können sich seitdem geändert haben.
Für wen ist diese Nachricht interessant?
- Für Anleger mit Engagements in US-Staatsanleihen oder globalen Rentenmärkten: Die beschriebene Ausweitung der Renditen, insbesondere der Anstieg der 10-jährigen US-Rendite auf den höchsten Stand seit 2002, könnte die Bewertung ihrer Bestände direkt beeinflussen. Die Fortsetzung des Ausverkaufs im vierten Quartal deutet auf anhaltenden Druck hin.
- Für Marktteilnehmer mit Fokus auf Devisenmärkte, speziell EUR/USD: Der Bruch der Marke von 1,13 und die anhaltende Dollar-Stärke, gestützt durch steigende langfristige Renditen, sind relevante Kursbewegungen. Die Analyse legt nahe, dass der Dollar weiterhin von den Renditen und weniger von den Zinserwartungen gestützt wird.
- Für Anleger, die in rohstoffnahen Sektoren oder energieabhängigen Währungen investiert sind: Der erneute Anstieg des Brent-Ölpreises über 100 US-Dollar und die Spannungen bei der Treibstoffversorgung könnten die Inflationsdynamik und damit die Zins- und Währungsentwicklung beeinflussen. Die beschriebene Verknüpfung von Energiepreisen, Anleiherenditen und Dollar-Stärke ist für diese Gruppe von Bedeutung.